- Eine ruhige Annäherung an ein seltsames Gefühl
- Warum ich diesen Blogartikel schreibe
- Woher dieses leere Gefühl wirklich kommt
- Wenn Leere mit Weißraum verwechselt wird
- Warum unser Kopf Leere sofort bewertet
- Drei Wege, wie Leere wider Bedeutung bekommt
- Wenn Leere ein Zeichen von Entwicklung ist
- Drei Fragen, die mehr Klarheit schaffen als jedes Redesign
Eine ruhige Annäherung an ein seltsames Gefühl
Vielleicht sitzt Du gerade vor Deiner Website, scrollst ein wenig, klickst hier und da, liest Deine eigenen Texte noch einmal und irgendetwas fühlt sich merkwürdig an nicht falsch, kaputt oder peinlich. Sondern eher so, als würdest Du einen Raum betreten der ordentlich ist, schön eingerichtet aber in dem niemand so richtig angekommen ist.
✅ Deine Webseite ist online.
✅ Sie funktioniert technisch.
✅ Sie ist modern gestaltet...
❌ ... und trotzdem bleibt dieses leise Gefühl von Leere.
Wenn Du meine ersten beiden Blogartikel gelesen hast „Was ist eine Website wirklich?“ und „Warum Struktur entscheidender ist als Design“ dann weißt Du bereits, dass Webseiten mehr sind als Seiten und dass Design allein keine Wirkung trägt, wenn das Fundament fehlt. Dieser dritte Artikel knüpft genau dort an und lädt dich ein, noch einen Schritt weiterzugehen, nicht analytischer sondern menschlicher, näher an dem Gefühl, das viele spüren aber selten aussprechen.
Warum ich diesen Blogartikel schreibe
Ich schreibe diesen Text, weil mir dieses Gefühl immer wieder begegnet, in Workshops, Beratungen, verschiedenen Gesprächen, die eigentlich über Technik oder Inhalte beginnen und plötzlich sehr still werden. Menschen erzählen von ihrem Business, von ihrem Weg, von all der Arbeit, die sie investiert haben, und dann kommt dieser Satz, meist zögerlich:
„Eigentlich ist alles da … aber irgendwie fühlt es sich leer an.“
Spaß beiseite: das ist kein esoterisches Bauchgefühl und auch kein Zeichen von Unsicherheit oder mangelnder Kompetenz. Dieses Gefühl hat fast immer eine sehr reale Ursache, und genau deshalb lohnt es sich, hinzuschauen, statt es mit noch mehr Inhalten, Seiten oder Tools zuzudecken.
Woher dieses leere Gefühl wirklich kommt
Leere entsteht selten durch zu wenig. Meist entsteht sie durch fehlende Verbindung. Das kennen wir nicht nur von Websites, sondern auch aus anderen Bereichen unseres Alltags. Politik ist ein gutes Beispiel: Programme, Talkshows, Debatten alles ist da, und trotzdem fühlen sich viele Menschen nicht abgeholt, weil Zusammenhänge fehlen und Orientierung verloren geht.
Oder nehmen wir das Finanzamt. Nicht freundlich, null emotional oder inspirierend > jedoch klar. Man weiß, wo man anfangen muss, was der nächste Schritt ist und was erwartet wird. Genau deshalb fühlt es sich, bei aller Ironie, oft weniger leer an als eine Website, die alles gleichzeitig erklären will, aber niemanden führt.
Webseiten funktionieren psychologisch genauso. Untersuchungen des Baymard Institute zeigen, dass Nutzer:innen Webseiten häufig verlassen, obwohl Inhalte vorhanden sind, weil sie nicht erkennen, wo sie anfangen sollen oder wie einzelne Bereiche zusammengehören. Fehlende Orientierung wirkt dabei stärker als mangelnde visuelle Gestaltung.
Oder einfacher gesagt: Menschen bleiben dort, wo sie verstehen, wo sie sind.
Wenn Leere mit Weißraum verwechselt wird
An dieser Stelle lohnt sich ein kurzer Perspektivenwechsel, denn nicht jede Leere ist automatisch ein Fehler. Große Abstände, viel Weißraum, reduzierte Inhalte all das kann bewusst eingesetzt werden und sogar sehr hochwertig wirken. Manche Designströmungen leben genau davon.
Die meisten Websites fühlen sich nicht leer an, weil sie zu viel Weißraum haben, sondern weil dieser Raum nichts erzählt.
Weißraum ist wie Stille in einem Gespräch. Sie kann Raum geben, Spannung aufbauen und Tiefe erzeugen oder unangenehm werden, wenn niemand weiß, was als Nächstes kommt. Wenn eine Webseite viel Raum hat, aber keine klare Richtung vorgibt, entsteht schnell der Eindruck von wenig Wert. Nicht, weil nichts da ist, sondern weil nichts verbunden ist.
Warum unser Kopf Leere sofort bewertet
Unser Gehirn ist ein Meister im Interpretieren. Es bewertet permanent, oft unterbewusst, ob etwas sinnvoll, vertrauenswürdig oder relevant ist. Wenn wir viel Raum sehen, aber keinen Kontext, entsteht schnell Unsicherheit. Das ist ein bisschen wie ein riesiges Büro mit einem einzelnen Stuhl in der Mitte. Man denkt nicht: Wie minimalistisch.
Man denkt eher: Bin ich hier richtig?
Google selbst betont in seinen Leitlinien zu hilfreichen Inhalten, dass Websites dann als wertvoll wahrgenommen werden, wenn sie Menschen unterstützen, Orientierung geben und nicht überfordern. Klarheit ist dabei ein zentrales Qualitätsmerkmal. Leere wird also dann problematisch, wenn sie keine Bedeutung trägt.
Drei Wege, wie Leere wieder Bedeutung bekommt
Hier wird es konkret nicht als Designanleitung, sondern als Denkmodell.
1. Wert hinzufügen, statt Fläche füllen
Wert hinzufügen bedeutet nicht, mehr Inhalte zu produzieren. Es bedeutet, gezielt ein Element einzusetzen, das Orientierung oder Sicherheit gibt. Ein kurzer erklärender Satz im Hero-Bereich. Ein klarer Hinweis, für wen diese Webseite gedacht ist. Ein Social-Proof-Element, das Vertrauen schafft.
Nicht mehr > Nur richtiger.
Plötzlich fühlt sich der Raum nicht mehr leer an, sondern bewusst offen.
2. Umstrukturieren, statt neu erfinden
Oft ist alles da, nur falsch verteilt. Inhalte stehen zu weit auseinander, sind zu breit gezogen oder wirken verloren, weil sie keinen Rahmen haben. Umstrukturieren heißt, vorhandene Inhalte neu anzuordnen, damit sie sich gegenseitig stützen.
✅ Weniger maximale Breite.
✅ Klarere Spalten.
✅ Bewusste Reihenfolge.
Nicht, um Platz zu füllen, sondern um Zusammenhänge sichtbar zu machen.
Akzente setzen, ohne laut zu werden
Akzente sind keine Dekoration, sondern Betonung. Formen, Illustrationen oder Farbflächen können einem Raum Richtung geben, wenn sie bewusst eingesetzt werden. Ein schönes Bild dafür ist Ahsoka aus Star Wars: reduziert, ruhig, klar und trotzdem unverwechselbar, weil Akzente gezielt gesetzt sind.
Übertragen auf Webseiten heißt das: Akzente dürfen da sein, wenn sie das Gefühl der Marke tragen und der Zielgruppe Orientierung geben. Nicht alles muss sprechen, aber nichts sollte zufällig sein.
Wenn Leere ein Zeichen von Entwicklung ist
Ein wichtiger Gedanke zum Schluss: Dieses leere Gefühl ist oft kein Zeichen dafür, dass etwas falsch läuft, sondern dafür, dass du innerlich weiter bist als deine Webseite. Dein Denken hat sich verändert, deine Haltung ist klarer geworden, deine Arbeit ist gewachsen und deine Webseite erzählt noch eine ältere Version davon.
Das ist kein Scheitern > Das ist ein Übergang.
Viele versuchen an dieser Stelle, die Leere mit mehr Seiten, neuen Tools oder einem Redesign zu füllen. Was oft wirklich hilft, ist etwas anderes: innehalten, sortieren, verbinden.
Drei Fragen, die mehr Klarheit schaffen als jedes Redesign
Wo sollen Menschen hier gedanklich anfangen?
Nicht technisch, sondern inhaltlich.
Was sollen sie zuerst verstehen - nicht kaufen?
Verständnis kommt vor Entscheidung.
Welche Entscheidung wird hier eigentlich vorbereitet?
Ohne Druck, aber mit Richtung.
Diese Fragen bringen Ruhe in Inhalte, ohne sie zu vereinfachen.
Wenn du deine Website heute betrachtest, frag dich nicht, was ihr fehlt, sondern wo sie sich für dich selbst noch leer anfühlt. Genau dort beginnt keine Kritik, sondern Klarheit und genau dort beginnt die Arbeit, die langfristig trägt.


